Plastik kommt nicht mehr in die Tüte


Ein alteingesessener Bewohner deutscher Einkaufsmeilen steht vor der Verbannung. Die Plastiktüte soll weg. Was Umweltschützer schon seit Jahrzehnten fordern, steht nun auf der Tagesordnung der EU-Kommission. Bis Mitte August 2011 stellte sie eine Umfrage ins Internet und fragte die EU-Bürger: Was soll mit dem Plastikbeutel
passieren? Die Vorschläge gingen von höheren Steuern bis zum kompletten Verbot. Konkret soll es erst im Herbst werden, wenn die Kommission ihren Gesetzesentwurf vorlegt, der – so heißt es – die Meinung der Bevölkerung berücksichtigen wird.

500 Tonnen Plastikmüll schwimmen im Mittelmeer

Jeder EU-Bürger kommt durchschnittlich mit rund 500 Plastiktüten im Jahr vom Einkauf zurück– und wirft sie danach meistens weg. Um diesen Bedarf zu stillen, entstehen jedes Jahr rund 3, 4 Millionen Plastiktaschen. Und viele landen nicht wie vorgesehen auf dem Recyclinghof. Allein im Mittelmeer treiben momentan rund 500 Tonnen Plastik, oft verursacht durch den kleinen Tragehelfer, den es kostenlos zum Einkauf gibt.

Die Rückkehr des Jutesacks

Ein Verbot von Plastiktüten gab es in Deutschland schon Anfang der Siebzigerjahre: Auf dem Höhepunkt der Ölkrise verbannten einzelne Städte die Tüten aus Geschäften und Supermärkten, weil die Produktion viel Erdöl verbraucht. Der Slogan damals: „Jute statt Plastik“. Ebenso wie der Jutesack geriet das Verbot danach langsam wieder in Vergessenheit. Dennoch gehören die Deutschen zu den umweltbewusstesten EU-Bürger – oder zu den sparsamsten. Hierzulande liegt der Tütenverbrauch pro Kopf bei 65 Taschen, also deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Bald könnte er bei Null liegen.

Umfrage und Text von Jonas-Erik Schmidt und Stephan Drehmann.

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