Die Recyclingprinzessin

Im Münchner Stadtteil Laim hat Barbara Rubarth ihre Werkstatt – in der Küche ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung. Links die Küchenzeile, rechts Regale, gefüllt mit Farben, Pinseln, Knöpfen, Klebstoffen und leeren Tetrapaks. Die 52-jährige gebürtige Brasilianerin macht tagsüber einen Bürojob. Nach Feierabend ist sie Künstlerin.

Barbara Rubarth mit ihrer ersten Recycling-Tasche

Barbara Rubarth mit ihrer ersten Recycling-Tasche

 

„Begonnen hat alles mit einer Katastrophe“, erzählt Barbara. Für einen Theaterbesuch wollte sie eine ganz besondere Tasche. Doch alle, die ihr im Geschäft gefielen, waren viel zu teuer. Zuhause bastelte sie ihre eigene Kreation – aus zwei alten Verpackungen.  „Ich habe mir gedacht, da muss einfach etwas herauskommen“, erinnert sie sich.  Am folgenden Samstag ging sie mit ihrer ersten eigenen Tasche in die Vorstellung.

Das war vor acht Jahren. Seitdem ist Barbaras Kollektion stetig gewachsen. Von Kerzenständern aus PET-Flaschen bis hin zu Körben aus Zeitungen: So vielfältig wie ihre Arbeiten, sind auch die Materialien, die sie benutzt und die eigentlich alle für die Mülltonne bestimmt sind. Immer wenn Barbara ihren Abfall zum Wertstoffhof brachte, fiel ihr auf, wie viel Müll jeder einzelne von uns produziert. „Wir leben hier in einer Wegwerfgesellschaft“, sagt Barbara. „Man hat etwas, aber man hat keinen Bezug mehr dazu.“ In Brasilien hat sie das ganz anders erlebt. Mit ihrer Arbeit will sie zeigen, dass in den Gebrauchsgegenständen unseres Alltags mehr steckt als nur ihre eigentliche Bestimmung.

 

Diese Wertschätzung für die Materialien vermittelt Barbara auch in Kursen, die sie für Erwachsene und Kinder gibt. „Vor allem die Kinder sind begeistert, wenn sie sehen, was man aus Müll so alles machen kann“, sagt Barbara. Ihre eigenen Kreationen verkauft sie über das Internet und auf Künstlermärkten. Dort hat sie auch den Spitznamen „Recyclingprinzessin“ bekommen.

Barbaras nächstes Projekt sind Möbel aus Altpapier. Sie träumt von einem eigenen Laden. „Ich stell mir dann immer vor, dass Leute hereinkommen und vor einem Regal stehen. Sie glauben, es ist aus Bambus und ich sage dann, ätsch, das ist aus Zeitung.“

 Anleitung zum Selbermachen

 

Von Christine Maevis und Marielle Sterra.

 

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